Süßer die Glocken nie klingen als zur Rintelner Fahrt
und wieder war es soweit: für ganze 26 km Paddelstrecke auf Fließgewässer (!) Traf sich ein Haufen von weit über 800 Paddlern aus ganz Deutschland an einem wunderbaren, knackig kalten Wochenende in Rinteln zur traditionellen Rintelner Eisfahrt! Um diese ungeheuerlich lange Strecke gemeinsam zu bewältigen ! Ich war zum ersten Mal dabei und stellte mir nur zwei Fragen: wieso um Himmelswillen dieser ganze Aufwand für 26 km??????? Und: wer ist so verrückt, im Winter zu paddeln? Die Antworten kamen prompt.. Bereits die Ankunft in Rinteln war spektakulär: Wohnwagenplatz voll, Zeltplatz leer, Dachboden voll. Unsere mutigen KCH-ler schnappten sich ihre Zelte und bauten diese tapfer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf. Nur eine verkrümelte sich auf den vollen Dachboden und ergatterte das noch einzig freie Luxus- Feldbett in einem kleinen 2-er-Kabuff. Die Begrüßung der anderen knapp 800 Paddler war lang und herzlich. Von allen Seiten tönte es im Minutentakt: OTTTTIIIIIIIIIII!!!!!!!!!!!!!! Der Freitag nachmittag war schnell vorbei. Abends fielen wir mit 12 Leuten in die wunderschöne Innenstadt von Rinteln ein nicht, dass wir die einzige Paddelgruppe gewesen wären. Die Giebel der Fachwerkhäuser waren wegen der Weihnachtszeit mit Lichterketten geschmückt. Es war wie im Märchen! Auf dem Weihnachtsmarkt gab es noch schnell ein paar Glühwein, bevor wir hungrig über das Buffet eines Chinarestaurants herfielen. Wieder zurück, saßen wir noch bis weit nach Mitternacht in einer lustigen Runde zusammen, erzählten alte Paddlergeschichten oder hörten zu, machten Scherze und lachten uns unter den Tisch.
Dann kam der ersehnte Samstag: Wir paddeln die Weser, 26 km, von Hameln nach Rinteln. Autos über Autos, Boote über Boote, Paddler über Paddler, alle samt in dickster Winterbekleidung, ablegende Boote im 20- Sekunden-Takt. Der Start war ein unglaubliches Ereignis, das Wetter der Hammer! Super kalt und strahlender Sonnenschein. Als wir mit unserem Grüppchen endlich alle im Boot und auf dem Wasser waren, folgten 13,5 viel zu schnell vergehende Kilometer. Es wurde weniger gepaddelt (ist ja Fließgewässer- die Weser), dafür geschnackt, geschnackt, geschnackt. Und es war so was von warm im Boot!! So plötzlich, wie wir starteten, kamen wir auch schon an der Pausenstelle an. Leckere Würstchen erwarteten uns und ich bekam meine erste Lektion in Sachen Glühwein: Glühwein OHNE Schuss hat trotzdem Schuss und ist kein Kinderpunsch!! Durchgefroren starteten wir in die zweite Hälfte der Etappe und landeten wieder aufgewärmt schließlich in Rinteln. Tja, und was macht man dann mit einer hungrigen Meute??? Im Vereinshaus des Rintelner Kanu-Clubs (der Ort des ganzen Geschehens) konnte Grünkohl gegessen werden. Unsere 12-er-Gang zog es vor, sich wieder auf die Socken zu machen und uns von der Feinschmeckerlandschaft in der Innenstadt inspirieren zu lassen. Restaurant um Restaurant zogen wir umher. Doch keiner gewährte uns Eintritt. Alle Lokale waren zu voll, ausgebucht, zu teuer... . Nach über 11/2 Stunden fasste sich ein Gastwirt dann doch ein Herz und servierte uns gut schmeckende Speisen aus einer gut bürgerlichen deutschen Küche. Zurück im Vereinsheim wurde mir der Abend zum Verhängnis. Wieder saßen wir in fröhlicher Runde beisammen, die Gläser immer gut gefüllt, bis..mein Arm sich verselbständigte und gegen eine Glocke schlug! Wusste ich denn, was das zu bedeuten hatte???? Alles johlte, klatschte, freute sich, und ich saß da und ich wusste überhaupt nicht, wie mir geschah, bis mir jemand erklärte, dass es sich um die Lokal-Runden-Glocke handelte. Oh sch..!!! Oh, Erde tu dich auf.!!! Ich wurde ganz klein- und schimpfte mit meinem Arm. Doch jemand rettete mich: statt einer gesammelten Lokalrunde auszugeben einigten wir uns darauf, dass ich auf unserer Paddelveranstaltung Ostern 2009 eine Runde schmeiße! (die Celler waren nämlich auch im Raum, und Ostern fahren wir nach Celle, und überhaupt). Am Sonntag Morgen war das Wetter wiederum so schön, dass wir die Sünde nicht auf uns nehmen wollten, diesen Tag ohne Paddeln zu verbringen. Also schnappten wir unsere Boote, starteten dieses mal in Rinteln und legten noch einmal ca. 23 km zurück.
Dann ging alles ganz schnell: Boote aufladen, Zurück fahren, Zelte abbauen bzw. Feldbett wieder herrichten, Abschied nehmen. Viele der Teilnehmer waren schon gefahren, so dass wir schnell im Auto und auf dem Weg nach Hause waren.
Dieses Wochenende war super. Und auch nächstes Jahr wird es wieder heißen: Rinteln wir kommen!!! Wenn mich jemand nach den Antworten fragt (siehe oben), dann kann ich nur sagen: WIR sind so verrückt, im Winter zu paddeln. Und Rinteln bedeutet mehr als 26 km paddeln, nämlich komme mit und erlebe es selbst! Michaela
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